Geburtstagsgedichte von Gottsched

Klassische Gedichte aus dem 18. Jahrhundert, geschrieben von Johann Christoph Gottsched u. Frau Gottsched, zum Geburtstag und Namenstag.

Auf den Geburtstag eines Mannes

Nimm hin diess höchsterfreute Blatt,
geliebter Schatz, von deren Händen,
die sich vorlängst entschlossen haben,
dir Herz und Seele zu verpfänden.
Nimm hin das Zeichen wahrer Treu,
das zarte Liebe dir geweihet,
und glaube, dass mein Sinn dabei
sich über deine Wohlfahrt freuet.

Dein froher Jahrstag stellt sich ein;
und was kann mir vergnügter fallen,
als wenn nach überstandner Pein
mir Blut und Adern freudig wallen?
Die Traurigkeit hat dieses Jahr
um meines Vaters Gruft geweinet;
nun stellt sich auch die Freude dar,
da dein erwünschtes Fest erscheinet.

Mein nasses Auge, stille dich,
und sei bemüht, dich aufzuklären;
der Tränenbrunn verstopfe sich;
was soll das Aechzen länger währen?
Die Leichen können von der Flut
nicht den geringsten Trost verspüren;
und wenn man noch so kläglich tut,
so lässt sich doch der Tod nicht rühren.

So kehr ich denn den frohen Blick,
mein andres Herz, nach deiner Wiegen,
und seh darinnen auch mein Glück,
mit dir, auf weichen Küssen, liegen.
Der Himmel hat dich ausersehn,
und mir zum Ehgemahl erkoren:
Ja, diess ist auch bei mir geschehn;
Ich selber bin für dich geboren.

Ich denke noch der langen Zeit,
der Zeit von zweimal sieben Jahren,
die mir von deiner Zärtlichkeit
die allerstärksten Zeugen waren.
Ich denke deiner Treue noch,
die mir ganz unverrückt geblieben,
bis meine Brust sich endlich doch,
auch dir geneigt zu sein, verschrieben.

Zwei volle Jahre sind es fast,
seit dem sich Herz und Hand verbunden,
seit dem ich dich, in Lust und Last,
in Lieb und Leid, bewährt erfunden.
Je länger unser Ehstand währt,
je fester wird das Band sich schlingen;
und da die Zeit auch Stahl verzehrt,
mit uns bis in die Grube dringen.

O sollt ich nur den Jammertag
von deinem Sterben nicht erleben!
Denn was ein Mensch ersinnen mag,
das wollt ich, dich zu retten, geben.
O würde mir dereinst von dir
mein sterbend Auge zugedrücket:
so glaubt ich, dass der Himmel mir
die grösste Wohtat zugeschicket.

Drum lebe, liebster Schatz, vergnügt,
geniess die Lust von deinen Jahren;
der Himmel hat es wohl gefügt,
indem er uns gewusst zu paaren.
Dein Wohlsein bloss vergnüget mich,
denn deine Lust ist mein Ergetzen:
Sonst kann ich alles, ausser dich,
für schlecht und für verächtlich schätzen.

Der höchste Stärke Geist und Leib,
kein Zufall kränke Haupt und Glieder!
Denn was dich schmerzet, schmerzt dein Weib,
und deine Schwachheit schlägt mich nieder.
Erlebe diesen Tag noch oft!
So werden sich die Freunde freuen;
So hab ich, was mein Herz gehofft;
So wird sich meine Lust verneuen.

(Johann Christoph Gottsched, 1700-1766, deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Literaturtheoretiker)

Machst du ein Sinngedicht: so lass es neu und klein, fein stachlicht, honigsüss; kurz, Bienen ähnlich sein.

(Gottsched)



Auf das Geburtstagsfest von Gottsched

Geliebter Freund! heut muß ich singen,
Und sollt es noch so unrein klingen,
So muß die Leyer schon daran!
Dein Fest erwecket mich zur Freude;
So schwer ich sonst bey manchem Leide
Den Geist zur Lust gewöhnen kann.

Du bist der Ursprung meiner Freuden.
Du bleibest doch, bey allem Leiden,
Mein ganzes Glück auf dieser Welt.
Ich weis, Du liebest mich von Herzen.
Was irrt mich dann die Zahl der Schmerzen,
Dabey doch deine Gunst nicht fällt?

Du liebest mich um meinetwegen:
Was ist mir denn daran gelegen,
Daß mir kein günstig Schicksal lacht?
Daß meinen Geist kein hoher Titel,
Kein großer Schatz, kein sammtner Kittel
Zu manches Narren Sclavinn macht?

Mein Herz ist Dein, und wird es bleiben;
Was braucht es viel, sich zu verschreiben?
Wer willig liebt, der liebt auch treu.
Die Tugend, die uns angetrieben,
Einander bis ins Grab zu lieben,
Macht unser Bündniß täglich neu.

O laß nur Deine Huld nicht schwinden!
O laß mich immer bey Dir finden
Die Glut, die mir das Leben giebt!
Dann will ich Dich auch ewig ehren,
Dann soll Dich jede Stunde lehren,
Wie zart Dich Deine Kulmus liebt.

Jedoch Du hast es mir versprochen,
Ein solches Wort wird nicht gebrochen,
Das von erhabnen Seelen stammt.
Ich kenne Deine Treu und Güte,
Dein Biedermännisches Gemüthe,
Das allen Wankelmuth verdammt.

Du hast mich selber angetrieben,
Dich edel und getreu zu lieben:
Denn Dein Verdienst bezwang den Sinn.
Du hast die Seele überwunden,
Den Weg zum Herzen ausgefunden - -
Doch, wo geräth mein Dichten hin?

So schlecht sind jetzo meine Reime.
Jtzt find ich alles voller Träume,
Und keine rechte Ordnung drinn:
Jedoch Du wirst es mir vergeben,
Du weist ja wohl, mein ander Leben!
Daß ich selbst voller Fehler bin.

Dein Fest erscheint! O seltne Freude!
Ach! trennte uns nur alle beyde
Ein gar zu hartes Schicksal nicht!
Ich freu mich zwar; doch in der Ferne!
Indem ich täglich mehr erlerne,
Wie viel mir ohne Dich gebricht.

Auch dieser Kummer wird sich heben!
Der Himmel bringt Dich, o mein Leben!
Mit nächsten wiederum zu mir.
O Lust! O höchstbeglücktes Hoffen!
Dann steht mir alles Glücke offen,
Dann bleib ich ewiglich bey Dir.

Was soll ich Dir für Wünsche bringen?
Hier treff ich erst bey meinem Singen
Die größten Schwierigkeiten an.
Denn wer wie Du das Laster höhnet,
Und wen wie Dich die Tugend krönet,
Hat mehr, als man ihm wünschen kann.

(Luise Adelgunde Victorei Gottsched, 1713-1762, deutsche Dichterin)



Schreiben an den Namenstag seiner geliebten Ehegattin

Wie glücklich bin ich doch, mein auserwähltes Licht!
Wie sehr ergetzet mich dein frohes Jahrfest nicht,
Das dich zum erstenmal in meinen Armen findet,
Seit dem ein ehlich Band uns beyderseits verbindet.
Ein volles Jahr ist hin, seit ich zum erstenmal
Den allzuschönen Tag, in werther Freunde Zahl,
Mit wahrer Lust begieng; den Tag der Adelgunden:
Daran ich zwar schon oft die stille Lust empfunden,
Die treue Liebe bringt; wenn man an das gedenkt,
Was durch der Anmuth Macht das Herz in Fessel schränkt.
Erst damals that ichs kund, daß du mich längst bestricket;
Erst damals gab ichs zu, daß es auch mir geglücket,
In deiner Huld zu stehn. Wie sonst zur Sommerzeit
Sich oft, nach schwüler Luft, des Himmels Heiterkeit
In dicke Wolken hüllt; die bald darauf zerfließen,
Und sich, den Strömen gleich, auf Berg und Thal ergießen:
Wie da ein kleiner Bach zuerst allmählich schwillt,
Bald merklich höher steigt, sein hohes Ufer füllt,
Und endlich überläuft; bis wir die nahen Auen
Vollkommen überschwemmt und voller Wasser schauen:
So hatte Freud und Lust mein Wesen übermannt,
Daß kaum mein Herze Raum in meinem Busen fand.
Warum? Die Sicherheit, in deiner Gunst zu stehen,
Die Hoffnung, bald mit dir ein Bündniß einzugehen,
Ein Bündniß steter Treu; o Freundinn! das war hier
Der Ursprung aller Lust und Fröhlichkeit bey mir.
Ein jeder sah mirs an, ein jeder hats gespüret,
Mein Geist war gar zu stark von seinem Glück gerühret.
Man kannte dich zwar nicht; doch merkte man daran,
Wie sehr dein edler Blick ein Herz entzücken kann;
Wie heftig Witz und Geist der muntern Adelgunden,
Mich vor sechs Jahren schon bezwungen und gebunden.

So schloß man dazumal: allein, was denkt man itzt,
Nachdem mein Arm den Schatz zehn Monden lang besitzt,
Dem Wunsch und Hoffnung ihm vieleicht nur schätzbar machte,
Und der doch schlechter war, als er entfernt gedachte?
Ist nicht die Liebe blind, wie sonst das Sprüchwort sagt?
Wie mancher hat nicht schon ihr Zauberwerk beklagt!
Sie kehret Spreu in Gold; aus Raben macht sie Pfauen;
Jedoch an Bräuten nur, und niemals an den Frauen.
Der süße Honigseim wird oft in kurzer Zeit
Ein herber Wermuthwein voll Gall und Bitterkeit.
Was Freyern englisch dünkt, das fliehen sonder Zweifel
Die Männer oft so sehr, ja ärger, als den Teufel.

Ach Freundinn seltner Art! den Einwurf weis ich schon:
So geht es oftermals. Dieß Unglück ist der Lohn,
Den Wollust, Geiz und Stolz und Uebereilung bringen:
Was kann daraus wohl mehr, als Reu und Leid, entspringen?
Dieß ist der Lauf der Welt. Man liebt und weis nicht wie;
Man wählt und weis nicht was: darum gelingts auch nie.
Die allerschönste Braut ist über wenig Tage
Des satten Herzens Qual, der ekeln Augen Plage.
Was nur das Auge liebt, das macht sie leichtlich satt.
Wer freyt nach Tugenden, davon er selbst nichts hat?
Wer fragt nach Witz und Geist, darans ihm selber fehlet?
Kein Freyer, der bereits im Geiste Thaler zählet;
Auch keine Braut, die nichts, als Eitelkeit, vergnügt,
Und die des Freyers Werth nach Kutsch und Pferden wiegt.
Sie wünschte Putz und Gold, und bunte Livereyen,
Die hat sie durch den Mann: nun mag sein Thun ihn reuen.
Denn sie geht rechts, er links. Ich setze nichts hinzu.
Wer kennt die Weltart nicht? Ganz anders liebtest du,
Ganz anders war mein Sinn! Darum hat unser Hoffen
Von beyden Theilen auch weit besser eingetroffen.

Ja, Freundinn! ich fand mehr, als mir mein Herz versprach.
Des Freyers Ahndung giebt des Manns Erfahrung nach:
Dein weiser Geist ist mir, durch Hymens sanften Orden,
Aus allem, was du thust, erst recht bekannt geworden.
Dein anmuthsvoller Mund, dein Umgang, Witz und Scherz,
Dein kluges Häuslichseyn, dein philosophisch Herz,
Dein ungemeiner Kiel, der Männerwitz besieget,
Hat mich bisher weit mehr, als alle Welt, vergnüget.
Du hassest Stolz und Pracht, und liebst die Reinlichkeit;
Die Kleidung ziert nicht dich, du zierst ein jedes Kleid.
Dich reizt kein thöricht Spiel, der Abgott schwacher  Sinnen;
Ein Buch und die Musik kann dich weit mehr gewinnen;
Die göttliche Musik, die manche Stunde kürzt,
Und der Geschäffte Last durch Lust und Anmuth würzt;
Dadurch es deiner Hand bey mir so sehr gelungen,
Als jenes Meisters Kunst, der Baum und Fels bezwungen.
So kannt ich dich kaum halb, als ich dich schon geliebt:
Da die Erfahrung mir nun alles doppelt giebt;
Da deine Tugenden mich täglich mehr ergetzen:
Wie sollt ich mich bey dir nicht doppelt glücklich schätzen?

Ich thu es: aber was? wo bleibt die reine Gunst,
Die mir dein Herz geweiht? die Neigung ohne Kunst,
Die mir das Leben giebt; dein ämsiges Bemühen,
Mir das, was Unmuth wirkt, mit Sorgfalt zu entziehen;
Mich stets vergnügt zu sehn? O Freundinn! was du thust,
Das zielet sonst auf nichts, als deines Gatten Lust.
Wie trefflich hast du jüngst des Freundes Art beschrieben,
Der deine Wahl verdient! Die Kunst war hoch getrieben;
Es war ein Meisterstück von Geist und Gründlichkeit:
Die Schreibart ist so schön, als sie zu dieser Zeit
Der Beste setzen mag. Ihr, fremde Schreiberinnen!
Sollt alle nicht den Preis in Suadens Kunst gewinnen,
Wenn sie nebst andern kämpft. Allein, wer glaubet dir,
Geliebte! wenn du schreibst: der weise Freund sey mir
In vielen Stücken gleich? Ach! könnt ich dieses sagen,
So wär ich dich doch werth. Wiewohl ich muß beklagen,
Dein Ziel ist mir zu hoch, und meine Kraft zu klein:
Doch wär ich so ein Freund, so müßt ich deiner seyn.
Ich wär es auch mit Lust; denn du allein auf Erden
Verdienst, so zart, so treu, so klug geliebt zu werden.

Der Himmel gönne dich so lange nur der Welt,
Bis deine Tugend einst den rechten Lohn erhält;
Bis dein Verstand und Witz durch jährlich neue Proben
Dich auch an Glück und Ruhm, wie du verdienst, erhoben.
Gott stärke künftig nur des schwachen Körpers Kraft,
Und schenk ihm ehestens des Geistes Eigenschaft,
Der Männerstärke zeigt: so wird die Nachwelt lesen,
Daß niemand so beglückt, als ich, durch dich, gewesen.

(Johann Christoph Gottsched, 1700-1766, deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Literaturtheoretiker)

Auf den Geburts- und Namenstag der Aeltern

Aeltern, die der Himmel mir
Aus besondrer Gunst verliehen,
Laßt mich itzt aus Dankbegier
Seyten auf die Laute ziehen.
Laßt mich in den fernen Auen,
Wo die kleine Pleiße rauscht,
Auf die fetten Fluren schauen,
Die ich zwar vorlängst vertauscht;
Aber gleichwohl unterdessen
Noch zur Zeit nicht ganz vergessen.

Nein, geliebtes Vaterland!
Die sind noch bey dir am Leben,
Die mir, nächst des Himmels Hand,
Athem, Geist und Leib gegeben;
Die mich aus den dunkeln Schätzen
Der Natur ans Licht gebracht,
Und, mit innigstem Ergetzen,
Nach und nach geschickt gemacht,
Das, was wir die Weisheit nennen,
Gott, die Welt, und mich zu kennen.

Theurer Vater! dessen Huld
Mich von Jugend auf belebet,
Daß die Größe meiner Schuld
Mir noch stets vor Augen schwebet;
Dein erhöhtes Alter dringet
Durch das große Stuffenjahr,[75]
Und dein graues Haupt bezwinget
Frisch und munter die Gefahr,
Die Gefahr, die mancher scheuet,
Weil sie Sarg und Baare dräuet.

Liebste Mutter, deren Hand
Ich schon lange nicht geküsset,
Nimm dieß treue Demuthpfand,
Womit dich dein Sohn begrüßet.
Da dein Namensfest erschienen,
Das mich schon so oft erfreut:
So verehr ich auch Reginen,
Der ich dieses Lied geweiht;
Um die treuen Kindespflichten
Dir mit Freuden zu entrichten.

Beydes fällt auf einmal ein,
Und verdoppelt mir die Freude;
Sonst besang ich eins allein,
Jetzt verehr ich alle Beide.
Beyde hat das höchste Wesen,
Dessen Wink die Welt regiert,
Mir zu Aeltern auserlesen:
Beyde hat er so geführt,
Daß sich Zeit und Ort gefunden,
Da der Ehstand sie verbunden.

Lehrt mich beyder zarten Sinn,
Musen! lehrt mich Gottscheds Liebe,
Gottscheds, und der Biemanninn,
Als ein Muster reiner Triebe.
Denn ich weis, ihr könnt es wissen,[76]
Weil ihr selbst sein Rohr benetzt,
Wenn er sonst ans Pindus Flüssen
Oft ein deutsches Lied gesetzt,
Ja ihr wißt von seinen Tönen,
Auf den Jahrstag seiner Schönen.

Ihre Tugend, ihr Verstand,
Ihrer Jugend frische Blüthe,
War das anmuthreiche Band
Für sein redliches Gemüthe.
Sein gelehrt und frommes Wesen
War, was ihrer Brust gefiel:
Ja dieß Paar war auserlesen,
Wie der keuschen Triebe Ziel;
So nach beyder Wunsch und Hoffen
Durch die Hochzeit eingetroffen.

Sey gegrüßt, beliebter Wald!
Grüner Berg, an dessen Grunde
Dieses Paar den Aufenthalt,
Ja sein andres Eden funde.
Sey gegrüßt, o mein Juditten!
Wo ich einst das Licht erblickt.
Wo in frommen Schäferhütten
Mich der Mutter Brust erquickt;
Wo ihr mühsames Erziehen
Mir zu lauter Heil gediehen.

Mir zum Heil, und dir zur Lust,
Werthe! die du meinetwegen
Oft von keiner Ruh gewußt,
Nächte sonder Schlaf gelegen.
Deine Sorgfalt und dein Wachen
Stund der schwachen Kindheit bey,
Machte mich wohl gar vom Rachen
Des besorgten Todes frey;
Wenn die Seufzer deiner Zungen
Mich dem Himmel abgedrungen.

Und wie rühm ich deinen Fleiß,
Theurer Vater! dein Bestreben,
Mir von allem, was ich weis,
Selbst den ersten Grund zu geben?
Wie der Deutsche, Griech, Lateiner
Und Hebräer schreibt und spricht,
Dieses wies mir sonsten keiner,
Als dein treuster Unterricht;
Den ich, falls ich wechseln sollte,
Gegen nichts vertauschen wollte.

Selbst der Redner edle Kunst
Hast du mir zuerst gewiesen,
Und der Musen süße Gunst
Durch dein Beyspiel angepriesen.
Und so wuchsen mir die Flügel
Unter deiner Vaterzucht,
Bis ich selbst den Königshügel,
Albertinens Sitz, besucht,
Wo, nebst Odoacers Mauren,
Markgraf Albrechts Künste dauren.

Hier empfand ich erst die Kraft
Deiner väterlichen Lehren;
Hier konnt ich die Wissenschaft
In erwünschter Freyheit hören.
Und was war es dir für Freude,
Wenn dein Sohn die Proben wies,
Und im langen Priesterkleide[78]
Sich mit Beyfall hören ließ;
Ja mit herzlicherm Vergnügen
Die Kathedern oft bestiegen.

Pallas schmückte kaum das Haar
Durch den blauen Hut der Weisen;
Als die deutlichste Gefahr
Mir befahl, davon zu reisen.
Damals gab ich deinen Gassen,
Königsberg! die gute Nacht:
Doch ich kann dich noch nicht hassen,
Nein! ich habe stets gedacht,
Daß, wenn ich kein Leipzig wüßte,
Ich dich noch betrauren müßte.

Hier gedenk ich an den Gram,
Liebsten Aeltern! an die Zähren;
Die mir, als ich Abschied nahm,
Fast den Aufbruch wollten wehren.
Doch der wohlgemeynte Segen
Folgte mir auf jedem Schritt,
Gieng, auf unbekannten Wegen,
Bis ins edle Meißen mit;
Wo ich nun, seit sieben Jahren,
Täglich seine Kraft erfahren.

O wie fröhlich und vergnügt
War die Zeit vor zweyen Jahren,
Als es sich so schön gefügt,
Daß wir an der Weichsel waren!
Danzig sah in seinen Wällen
Sohn und Aeltern ganz entzückt,
Die einander, ohn Verstellen,
Oft an Mund und Brust gedrückt;
Endlich aber ganz zufrieden
Sich getrennet und geschieden.

Lebt denn glücklich, theure Zwey!
Werdet alt bey guten Tagen,
Machet euch von Sorgen frey,
Laßt euch keinen Kummer nagen.
Euren Söhnen wirds nicht fehlen,
Wenn sie nur in allem Thun
Euch zum Tugendmuster wählen,
Und in Gottes Fügung ruhn;
Der, wie man an euch gespüret,
Stets die Seinen wohl geführet.

Ja! des Vaters Redlichkeit,
Sammt der Mutter Menschenliebe,
Gaben mir, seit langer Zeit,
Ein Exempel edler Triebe.
Müßt ihr aber endlich sterben,
Werthe, folgt ihr der Natur;
O so laßt mich eins nur erben,
Laßt mir eure Tugend nur!
Laß ich diese bey mir wohnen,
Hab ich mehr, als Millionen.

(Johann Christoph Gottsched, 1700-1766, deutscher Schriftsteller, Dramaturg und Literaturtheoretiker)

Geburtstagswünsche
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