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Geburtstagsgedichte klassisch

Schöne bekannte und klassische Geburtstagsgedichte

Jeder Tag hat seine Plage, und die Nacht hat ihre Lust. (Goethe)





Ein Gentleman merkt sich den Geburtstag einer Frau, vergisst aber
das Alter. (Zitat von Kurt Tucholsky)


Einige Klassische Geburtstagsgedichte

Die Zeit geht nicht, sie stehet still


Die Zeit geht nicht, sie stehet still,
Wir ziehen durch sie hin;
Sie ist ein Karawanserei,
Wir sind die Pilger drin.

Ein Etwas, form- und farbenlos,
Das nur Gestalt gewinnt,
Wo ihr drin auf und nieder taucht,
Bis wieder ihr zerrinnt.

Es blitzt ein Tropfen Morgentau
Im Strahl des Sonnenlichts –
Ein Tag kann eine Perle sein
Und hundert Jahre – nichts!

Es ist ein weisses Pergament
Die Zeit, und jeder schreibt
Mit seinem besten Blut darauf,
Bis ihn der Strom vertreibt.

An dich, du wunderbare Welt,
Du Schönheit ohne End,
Schreib ich 'nen kurzen Liebesbrief
Auf dieses Pergament.

Froh bin ich, dass ich aufgetaucht
In deinem runden Kranz;
Zum Dank trüb ich die Quelle nicht
Und lobe deinen Glanz!

(Gottfried Keller 1819-1890, schweizer Dichter)



Glücklich ihr Blätter

Glücklich, ihr Blätter, wenn die Lilienhand
Der Hohen, die beherrscht mein ganzes Sein,
Euch hält und schliesst euch wie Gefangne ein,
Die vor Dem zittern, der sie überwand.

Glücklich, ihr Zeilen, wenn auf euch gewandt
Des schönen Augs glutvoller Sonnenschein,
Und ihr die blut'ge tränenvolle Pein
Vor ihr enthüllt, die ich durch sie empfand.

Glückliche Reime, die sich baden dürfen
In ihren Reizen und Begeisterung schlürfen
Aus ihren Augen - sucht ihr zu gefallen,
Die meine Sehnsucht ist, mein Glück vor Allen.

Blätter der Liebe, feiert nur die Eine!
Erfreut ihr sie, so kümmert sonst mich keine.

(Edmund Spenser 1553-1599, englischer Dichter)

übersetzt von Friedrich Bodenstedt 1819-1892.



Der Frühling - am ersten Maimorgen

Heute will ich fröhlich, fröhlich sein.
Keine Weis' und keine Sitte hören;
Will mich wälzen und für Freude schrein,
Und der König soll mir das nicht wehren;

Denn er kommt mit seiner Freuden Schar
Heute aus der Morgenröte Hallen,
Einen Blumenkranz um Brust und Haar
Und auf seiner Schulter Nachtigallen;

Und sein Antlitz ist ihm rot und weiss,
Und er träuft von Tau und Duft und Segen -
Ha! Mein Thyrsus sei ein Knospenreis,
Und so tauml' ich meinem Freund entgegen.

(Matthias Claudius 1740-1815, deutscher Dichter)



Meine Rose

Dem holden Lenzgeschmeide,
Der Rose, meiner Freude,
Die schon gebeugt und blasser
Vom heissen Strahl der Sonnen,
Reich' ich den Becher Wasser
Aus dunklem, tiefen Bronnen.

Du Rose meines Herzens!
Vom stillen Strahl des Schmerzens
Bist du gebeugt und blasser.
Ich möchte dir zu Füssen,
Wie dieser Blume Wasser,
Still meine Seele giessen!
Könnt ich dann auch nicht sehen
Dich freudig auferstehen.

österreichischer Schriftsteller)




Einige bekannte Geburtstagsgedichte

Alter


Das aber ist des Alters Schöne,
dass es die Saiten reiner stimmt,
dass es der Lust die grellen Töne,
dem Schmerz den herbsten Stachel nimmt.

Ermessen lässt sich und verstehen
die eigne mit der fremden Schuld,
und wie auch rings die Dinge gehen,
du lernst dich fassen in Geduld.

Die Ruhe kommt erfüllten Strebens,
es schwindet des Verfehlten Pein
und also wird der Rest des Lebens
ein sanftes Rückerinnern sein.

(Ferdinand von Saar 1833-1906, österreichischer Schriftsteller)



Im Garten blühn schon ein Weilchen

Im Garten blühn schon ein Weilchen
Schneeglöckchen, Krokus und Veilchen.
Da hab´ ich mich nicht lang bedacht
und ein schönes Sträusschen zurechtgemacht.
Das bringe ich dir zum Geburtstagsfest.
Der Frühling dich schön grüssen lässt.
Er sagt, mit allem Sonnenschein
kehrt er so gerne bei dir ein,
damit dein neues Lebensjahr
sei sonnig, fröhlich, hell und klar.

(Friedrich Wilhelm Güll 1812-1879, deutscher Dichter)



Zum Geburtstag

Der Juni kam. Lind weht die Luft.
Geschoren ist der Rasen.
Ein wonnevoller Rosenduft
Dringt tief in alle Nasen.

Manch angenehmes Vöglein
Sitzt flötend auf den Bäumen,
Indes die Jungen, zart und klein,
Im warmen Neste träumen.

Flugs kommt denn auch dahergerennt,
Schon früh im Morgentaue,
Mit seinem alten Instrument
Der Musikant, der graue.

Im Juni, wie er das gewohnt,
Besucht er einen Garten,
Um der Signora, die da thront,
Mit Tönen aufzuwarten.

Er räuspert sich, er macht sich lang,
Er singt und streicht die Fiedel,
Er singt, was er schon öfter sang;
Du kennst das alte Liedel.

Und wenn du gut geschlafen hast
Und lächelst hold hernieder,
Dann kommt der Kerl, ich fürchte fast,
Zum nächsten Juni wieder.

(Wilhelm Busch 1832-1908, humoristischer deutscher Dichter)




Zwei bekannte Geburtstagsgedichte von Ringelnatz

Geburtstagsgruss


Ach, wie schön, dass Du geboren bist!
Gratuliere uns, dass wir Dich haben,
dass wir Deines Herzens gute Gaben
oft geniessen dürfen ohne List.

Deine Mängel, Deine Fehler sind
gegen das gewogen harmlos klein.
Heut nach vierzig Jahren wirst du sein:
immer noch ein Geburtstagskind.

Möchtest Du: nie lange traurig oder krank
sein. Und wenig Hässliches erfahren.-
Deinen Eltern sagen wir unseren
fröhlichen Dank dafür,
dass sie Dich gebaren.

Gott bewinke Dir
alle Deine Schritte;
ja, das wünschen wir,
Deine Freunde und darunter (bitte)

Dein...............

(Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller)



Schenken

Schenke gross oder klein,
Aber immer gediegen.
Wenn die Bedachten
Die Gaben wiegen,
Sei dein Gewissen rein.

Schenke herzlich und frei,
Schenke dabei
Was in dir wohnt
An Meinung, Geschmack und Humor,
So dass die eigene Freude zuvor
Dich reichlich belohnt.

Schenke mit Geist ohne List.
Sei eingedenk,
Dass dein Geschenk
Du selber bist.

(Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller)




Zwei Klassische Geburtstagsgedichte von Goethe

Zum Siebzigsten


Wer die Körner wollte zählen,
die dem Stundenglas entrinnen,
würde Zeit und Ziel verfehlen,
solchem Strome nachzusinnen.

Auch vergehen uns die Gedanken,
wenn wir in dein Leben schauen,
freien Geist in Erdeschranken,
freies Handeln und Vertrauen.

So entrinnen jeder Stunde
fügsam glückliche Geschäfte.
Segen dir von Mund zu Munde!
Neuen Mut und frische Kräfte!

(Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter)



Das Leben ist ein schlechter Spass

Das Leben ist ein schlechter Spass,
dem fehlt's an dies, dem fehlt's an das,
der will nicht wenig, der zu viel,
und Kann und Glück kommt auch ins Spiel.
Und hat sich's Unglück drein gelegt,
jeder, wie er nicht wollte, trägt.
Bis endlich Erben mit Behagen
Herrn Kannnicht-Willnicht weiter tragen.

(Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832, deutscher Dichter)




Zwei schöne klassische Geburtstagsgedichte von Herder

Der Regenbogen


Schönes Kind der Sonne,
Bunter Regenbogen,
Ueber schwarzen Wolken
Mir ein Bild der Hoffnung.

Tausend muntre Farben
Bricht der Strahl der Sonne
In verhüllten Thränen
Ueber grauer Dämmrung.

Und des weiten Bogens
Feste Säulen stehen
Auf des Horizontes
Sichrem Felsenboden.

Weh! der Bogen schwindet,
Seine Farben blassen;
Von den festen Säulen
Glänzet noch ein Wölkchen.

Aber seht, der Himmel
Bläuet sich; die Sonne
Herrschet allgewaltig,
Und die Auen duften.

Schwindet, holde Kinder
Schöner Jugendträume,
Schwindet! Nur die Sonne
Steig' hinauf und walte!

Hoffnungen sind Farben,
Sind gebrochner Strahlen
Und der Thränen Kinder;
Wahrheit ist die Sonne.

(Johann Gottfried Herder 1744-1803, deutscher Schriftsteller)



Der Gewinn des Lebens

Am kühlen Bach, am luft'gen Baum
Träum' ich nun meines Lebens Traum,
Und mag nicht wissen, ob die Welt,
Wie ich mir träume, sei bestellt;

Denn ach, ist Der wohl mehr beglückt,
Der, dass sie nicht so sei, erblickt?
Ich ging einmal der Weisheit nach
Und hörte, was die Weisheit sprach.

Sie sprach so viel- und mancherlei,
Was einst die Welt gewesen sei
Und jetzt nicht ist und, sehr verirrt,
Wohl nimmer, nimmer werden wird.

Ich grämte mich und ging im Gram,
Als mir der Ruhm entgegen kam.
"Dir," sprach er, "Sohn, Dir ist beschert,
Zu räumen weg, was Dich, beschwert."

Ich räumte, wollte vor mich sehn;
Allein die Felsen blieben stehn.
Ermattet, ohne Gram und Zorn,
Sucht' ich nun Rosen unterm Dorn.

Die Rosen, ach! entfärbten sich,
Und ihre Dornen stachen mich;
Zwei Knöspchen unter allen hier,
Lieb' und die Freundschaft, blieben mir.

Am kühlen Bach, am luft'gen Baum
Träum' ich nun meines Lebens Traum.
Die beiden Knöspchen pfleg' ich mir
Und weihe sie, o Sonne, Dir!

Komm, kühler Bach, erquicke sie!
Komm, süsses Lüftchen, stärke sie!

(Johann Gottfried Herder 1744-1803, deutscher Schriftsteller)



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